Was bin ich froh, daß die Bushaltestelle drei Wände und ein Dach hat.
Seit Stunden bläst der Wind eisig. Gestartet war ich bei 5°, jetzt sind es 7°, gefühlt sind es viel weniger.
40km auf der Landstraße. Die einzige Einkehr öffnet, wenn ich lange vorbei bin.
Die LKWs heizen an mir vorbei; gehe davon aus, daß sie fahren können. Zumindest, daß sie ihren Führerschein brauchen. Es donnert gewaltig, besonders die zweiteiligen holzbeladenen.
Den Personenkraftwagen traue ich weniger. Gefahren, vornehmlich von Villnioten, werden absurdblöde Karren, mit denen immer und überall gerast werden muss.
Die kommen ohne Bremsen, auch an Zebrastreifen. Die nötigen zudem beständig, mit Drängeln, mit Hupen. Nicht, daß mein wehender Mantel schon gestreift worden wäre.
Denke an mein hellblaues Klapprad, was einen Abstandhalter hatte.
Zögerlich zu Anfang, trage ich jetzt immer Warnweste.
Wen interessiert’s?!
Also: Raststätte für meine erste auswärtige Mahlzeit heute ist die Bushaltestelle und das war und wird noch öfter vorkommen. Premium wäre eine Tankstelle mit Kaffeemaschine und Sitzgelegeheit drinnen oder draußen, egal.
Bei den Temperaturen an Picknick in der Wiese nicht zu denken, in nasser sowieso nicht.
Die Masurische Seenplatte zieht sich weit nach Litauen.
Was mich nur noch selten Dürerhörnchen radeln, vom rechten Weg abkommen läßt.
Viel schneller weiß ich, daß nach Morast Morast kommt und nach Sand Sand.
Nicht so in Polen, da hatte ich mich mehrmals in die Ecke gepinselt. Mangel an Erfahrung.
Mit klammen Fingern öffne ich Tuberdosen, meine Thermoskanne.
Kein Luxus, überhaupt keiner: eben diese und meine Gummistiefel.
Was haben die gute Dienste geleistet.
Bei Regen, bei Schnee, bei Hagel.
Und denke an deutschen Fernradwege; gut ausgebaut, gut ausgeschildert.
Mäandernd der Fluß, mäandern der Weg.
Kein Verkehrslärm.
Hier und dort, an schöner Stelle Einkehr, auch mal mit Herberge.
Ich will nicht mehr meckern, fehlt mal ein Wegweiser. Bin doch so dankbar geworden, für jeden Radweg, auch wenn er sich entlang der Autobahn zieht. Es gibt einfach zu wenige hier.
Zu selten die Solidarität unter den Fahrradfahrern dazu. Mit Karacho entgegenkommend, auf der falschen Straßenseite, zu zweit neben einander. Die machen keinen Platz. Bemitleidet werde ich für meinen Ackergaul, von den vorbeiziehenden Rennpferden. Immer ohne Gruß.
So schade.
Ein freudiges Cześź fliegt mir in Polen schon von Weitem entgegen. Von allen auf zwei Rädern, 5 sind es an der Zahl die mir mit Gepäck begegnen.
Die ohne grüßen auch.
Die Älteren, die sich zwischen zwei Ansiedlungen bewegen.
Zu alt, kein Auto, Führerschein versoffen.
Was es wohl ist?
Die Anderen bemitleiden mich, fehlen mir doch zwei Räder und ein Verbrennungsmotor.
Und daheim; da verfolgt mich das mitleidige Lächeln, ohne E- eben.
Wer macht denn noch soetwas.
Und wenn sie vorbei sausen, singe ich manchmal lauthals.
Und wenn sie vorbei rasen, hänge ich meinen Gedanken nach.
Und wenn sie vorbei heizen, frage ich mich, ob meine Idee nach Japan zu radeln noch Bestand hat.
Aus Löwenzahn sind Pusteblumen geworden.