Ein Hauch von Starnberg

Man trägt Bauch.

Über der ¾-Hose.

Männlein wie Weiblein.

Bei denen heißt das Capri.

Eigentlich eng.

Der gutgenährte einheimische Mittel- und Unterstand hat sich das abgeguckt.

Oder war’s vielleicht andersherum?

Die kombinieren vornehmlich mit Trikot.

Am Arm drei Streifen, hinten Gucci oder Thailand oder Ronaldo drauf.

Die Zugereisten eher oben ohne und wenn schick, was in Mustermix.

Der örtliche Imam auch.

Unter seinem Nachthemd.

Das hier wird nicht politisch passabel, das sind Beobachtungen einer Allreisenden,

(der manchmal die Tränen in die Augen schießen, weil sie über die Veränderungen so schockiert ist. Dazu später ein wenig mehr).

Und das ist ein Übereifriger.

Der Muezzin.

Lange vor der Zeit grölt er das erste Gebet in die Nacht.

Fadschr beginnt mit der Morgendämmerung und endet mit Sonnenaufgang (sagt Wikipedia).

Es ist stockduster und die Dämmerung nicht vor einer weiteren stockdusteren Stunde zu erwarten.

Windet sich in höchste Höhen (meint er) und trifft doch keinen Ton.

Tagsüber wohl müde, kann ich mich nicht daran erinnern, dass er sein Programm immer eingehalten hätte.

Wir wollen es ihm glauben.

Das Abendprogramm gleicht dem am Morgen, da wird nochmal kräftig in die Nacht gebrüllt.

Ganz unvermittelt.

Hühner und Hähne und Hunde alle wieder hoch, alle krakeelen mit.

Je weiter ich in den Süden komme, um so öfter sehe ich Moscheen. Neueren Datums, die Vorgänger können doch nicht alle durch den Tsunami in 2004 vernichtet worden sein?! Es scheint eher, dass der ölreiche Bruder im Süden und / oder die Hüter der drei heiligen Stätten mitgeholfen hätten. Sollte ich recherchieren. Mit mir darüber reden mag keiner so richtig. Bekomme ausweichende Antworten aller Art. So z. B. „Es seinen malaysischen Touristen, die so gerne Ferien in Thailand machen“. Auch die Hostelbetreiberinnen? Die Damen, die Tuk Tuks fahren? Die Köchinnen an den Essensständen?

Auf Koh Phi Phi hatte ich vor 20 Jahren nicht ein einziges Kopftuch gesehen. Es gab kein muslimisches Gebetshaus. Jetzt trägt die Hälfte der holden Weiblichkeit und die ganz Eifrigen machen es ihren Schwestern in Saudi Arabien nach. Face Cover. Plus dem Hinter-dem-Gatten-her-laufen. Leider schon die kleinen Mädchen. Kopftuch, zum Glück noch nicht Gatte.

Die Insel ist sowieso ein großer Schock für mich. Hatte sie durch den Tsunami ordentlich abbekommen, da hätte man so viel machen können.

Mc Donald’s, Hackfressen und Rollkoffer sind es geworden.

Alles zugebaut, paradise lost.

Party, Party, Party.

Das ist die Insel, die mir mein erstes Eierspießchen beschert hatte. Wachsweiche Wachtel, knusprig ausgebacken in sehr dünnem Teig, süß-scharfe Soße. Ein Traum!

Insel und Spießchen.

Adieu Phi Phi.

Nach Koh Kradan würde ich kaum kommen. Eine schöne Insel, wenig besprochen. Zu wenige Touristen (vielleicht gerade gar keine?), Verbindung eingestellt. Da habe ich meinen ersten ausgewachsenen Waran gesehen.

Die Versorgungsboote wollen/sollen uns nicht mehr mitnehmen. Die verderben die Preise. Besonders die der Private Charter Tours.

Dabei erinnere ich mir nur allzu gerne an meine erste Fahrt nach Koh Chang, die Große, die im Golf von Thailand. Irgendwie müssen wir mit dem Bus nach Trat gekommen sein. Und das muss gedauert haben. Denn es war bereits Nachmittag, als wir mit einem Herrn über die Fahrt nach Laem Gop verhandelt hatten. Dem kleinen Ort mit kleinem Hafen, der der Insel gegenüber liegt. Die Sonne neigte sich, die Schatten wurden länger. Als Gepäck und Menschen hinten auf der Ladefläche verstaut worden waren, näherten wir uns der goldenen Stunde. Da hinten ist es ein schönes Reisen. Den Fahrtwind um die Nase, beste Aussichten, Geräusche und Gerüche, Platz zum Ausstrecken der Beine. Es rumpelt ordentlich. Wir bogen von der Hauptstraße ab Richtung Norden. Unser Ziel lag im Südosten. Reisfelder, ein Haus auf Stelzen und die Familie des Fahrers begrüßt uns schon von Ferne herzlich. Auf so einer weiten Reise möchte er seine Gattin dabeihaben. Zum Abschied winken wir den zurückbleibenden Kindern und Großeltern und sind alle gerührt. Als es dunkel geworden war, erreichen wir die drei Bretterbuden am Hafen. Betten unser Haupt und sind dankbar für die bereits vorhandene Infrastruktur. Am nächsten Morgen wird geladen. Hühnerteile (oder war das die Lady JJ in Carriacou?), Kisten und Kasten mannigfaltig und ein sehr großer Kühlschrank. Auch wir und unser Gepäck finden Platz, was bis zum letzten Moment nicht sicher sein sollte. Und dann schippern wir mit verrenkten Gliedmaßen und den Gedanken an einen durchbrechenden Kühlschrank über die Meerenge. Eine aufregende Reise. Heute geht es mit dem Speedboot von diversen Häfen auf die Insel. Keine klapprigen Stege, kein Gedränge, kein Kühlschrank.

Man fragt mich, wie lange es dauern würde und ich denke, zu schnell. Alles zu schnell. Die Busse, die Boote, auch die Bahn. Nur nicht die local trains. Selbe Modelle Züge, mehr Haltestellen, geöffnete Fenster, beste Versorgung. Von süßem Kaffee gekühlt in Dosen, Pad Kra Pao, gerne schon zum Frühstück, gekochten Eiern, Nüssen, bunten Limonaden in Plastiktüten. Alles, was das Herz begehrt.

Aber wo war ich nochmal stehen geblieben? Bei der 3/4-Hose!

Ein glücklicher Morgen: Warmes in der Tasse, Zeit dazu, ein Rascheln beim Umblättern des Druckerzeugnisses – da beschenkte mich Herr Kister von der Süddeutschen und seinem „Hauch von Starnberg“ mit einem Lachanfall.

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