06:40h
Springe ins Kleid und erkenne meinen Reisegefährten kaum wieder, trägt er lange Hose und langärmeliges Hemd?!
Moderat hatte der Reiseführer empfohlen.
Die Kirche, die nur zur Messe zu besichtigen ist, hatte vor zehn Minuten begonnen.
In den Reihen Damen mit Hüten. Meinen musste ich im Hotel lassen, sieht er doch all zu sehr nach 50jährigem Angler aus und das Reisen hat ihn stark mitgenommen. Auf der Kanzel weiße Haut mit nordamerikanischem Englisch.
Abendmahl, Vaterunser – nochmal Glück gehabt, geht doch recht flott bei den Katholiken.
Geschlendert wird um ein Bauprojekt Taiwans, der zukünftige, respektable Stadtplatz, dessen Sandhaufen eine beachtliche Schicht Grün tragen. Mit Bretterzaun umschlossen, weiß ich das nur, der Balkon unseres Hotelzimmers gibt die Aussicht preis. Am Abend zuvor, dunkel war’s, die Nacht schien nicht helle, dengelte und schepperte es im Areal. Wer werkelt wohl heute am ersten Stock oder hat der örtliche Baustoffhändler Sonderangebote?
Nix hat auf, um die erste Mahlzeit einnehmen zu können. Nicht das Restaurant mit Blick auf die kleine Bucht. Auch für Reisegruppen von „Mein Schiff“ geeigent. Nicht das einheimische Buffet. Da waren wir am Tag zu vor und hatten uns zu Mittag den Bauch vollgeschlagen. Endlich mal etwas in Richtung einheimisch und nur mit einigen Fast-Food-Elementen. Ganz, ganz am Rande: das Essen in der Karibik ist dann all zu oft miserabel. Viel chicken and fries. Wenig Fisch und wenn, schmeckt er gerne mal nach Alaskaseelachs tiefgefroren. Gerne bis zur Unkenntlichkeit zerkocht oder verbraten. Dafür hätte er nicht sterben dürfen. Zum Glück auch keine der Bierbuden am Wegesrand. Von denen gibt es viele, immer umlagert.
Glück muss der Mensch haben: unsere Behausung belegt die obersten Etagen eines Einkaufszentrums und unten, hinten, da gibt es einen Imbiss und der bietet Lucian Breakfast.
Gurkensalat, saltfish, Diätkräbbbel (O-Ton Jürgen: viel Fett, aber kein Zucker) und einen Kakaotee (eine dunkle Brühe, die mehr nach Kakao als Tee schmeckt, bisschen bitter ist, eine Konsistenz von Lebertran hat und mit Zucker besser wird.
Eine Wanderung zu den Schwefelquellen führt uns geradewegs in den Botanischen Garten. Es gießt aus Eimern. Der Wasserfall nicht zum Schwimmen, kommen zuviele Brocken mit runter. Lasse die Beine in den Mineralbädern baumeln. Noch Stunden später schwöre ich auf die heilsame Wirkung. Keiner meiner Mückensticke juckt, auch keiner von denen, die die Sandflöhe im Norden von Grenada an einem wunderschönen, einsamen Strand hinterlassen hatten. Viele bunte Blumen erfreuen das Auge. Tafeln berichten, daß Holländer, Engländer und Mittelamerikaner einiges an Grünzeug angeschleppt und kultiviert haben. Auf Dominica, viel später, bekommen wir eine Idee vom dem, was hier mal gewesen ist. Es tröpfelt noch ein bisschen, wird warm. So richtig spätestens ab 10.00h.
Den Berg wieder runter. Getränke im Art Café. Kaffee lokal und der Meister persönlich am Nebentisch bemalt Holz in grellen Farben. Wir kaufen nichts.
Den nächsten Berg erklimmen wir zur Mittagszeit. Der Duft von faulen Eiern, nur ganz leicht und die Herren vom Landschaftsamt weisen uns den Weg. Es qualmt und sprudelt. Das größte Loch hatte einen Fremdenführer zur Hälfte verschluckt und so dürfen wir nur noch Zaungäste in dieser Mondlandschaft mit explodierter Kraterwand sein. Ist aber auch schon 14.000 Jahre (oder waren es 14 Millionen…) her.
Der Abend bringt kühle Getränke und ein kleines Lüftchen vom Meer.
Die Med II ist gesegelt, die Segler nicht.
Sehr viel später, zwischen Antigua und St. Martin, erfahren wir mehr. Aber das ist eine andere Geschichte…
Ich könnte Euch noch von Schaffnern in MaxiTaxis berichten, jungen Männern die Fahrgäste anwerben, den Fahrpreis kassieren, die seitliche Schiebetür bedienen und kleinen Mädchen über die Straße helfen, sodaß sie sicher zur Schule gelangen.
Von hilfsbereiten Menschen im Stadtbus, wir hatten die Haltestelle verpasst und die Gegend lud nicht mehr zum Abendspaziergang ein.
Von einem wunderbaren Kapitän, welcher uns über die Grenze von Grenada nach St. Vincent und den Grenadinen geschippert hat.
Von einem ganz kleinen Jungen, der uns zu nachtschlafender Zeit ein aufgeräumtes „good morning“ zuruft.
Oder von der einzigen unangenehmen Begegnung, die wir mit zweien unserer deutschen Mitbürger hatten.
Bevor das Haupt zu Bette getragen wird, müssen die Habseligkeiten verpackt und die Haut vom täglichen Konklomerat aus Sonnencreme, Körpersäften und Mückenmitteln befreit, das Moskitonetz in Position gebracht werden.
Und dann kommt der nächste Morgen. Ich springe ins Kleid, erkenne meinen Reisegefährten wieder, in T-shirt und kurzer Hose.
Die Fähre fährt um sieben.