‚I am sailing‘

Ach Rod, was haben wir zu Deinem Stück Blues getanzt. Is‘ lange her.
I am sailing.
I was.
Von Antigua nach St. Martin, französisches Übersee-Department. Eines von vielen in der Karibik. Mit Kalle und Doris (oder Cindy und Bert?). Die Beiden sind seit letztem Jahr Mai unterwegs. Mein Reisegefährte hat sie aufgetan, nachdem ich mit find a boat so gar kein Glück hatte. Kalle hat das Boot selbst gebaut. Sie wollen am nächsten Tag um 14.00h in See stechen und uns mitnehmen.

Am Abend zuvor auf Dominica fliegt nix mehr. Die Winde zu stark. Ein Zeichen? Am nächsten Morgen mal wieder sehr früh ins Kleid gesprungen. Gedrängel, Gedrängel. Aber wer schon mal auf Punk Rock Konzerten war, schafft es bis zum Tresen. Wir ergattern die letzten beiden Plätze auf der Maschine nach Barbados. Die kleinen Antillen zur Hälfte wieder zurück. Umsteigen.
Weiter nach Antigua. Zur Hälfte wieder vor.
Ist alles noch zu schaffen.

In Antigua angekommen sind die Rucksäcke weg. Oder nicht da. Die könnten auf Dominica geblieben, mit uns nach Barbados gereist oder weiter nach Trinidad weiter geflogen sein. Ein Zeichen? Trödeln am Terminal, trinken Kaffee. Gepäck nicht zu lokalisieren. Eintreffende Maschinen kommen ohne unsere Habseligkeiten.
Noch einen Kaffee.
Nix Neues. Kalle und Doris signalisieren: alles kein Problem.

Nach einer Runde in St. John’s bewegen wir uns gen Jolly Harbour. Hilft ja nix, weiter am Flughafen zu warten. Und tauchen in die Welt der Langzeit-Segler ein. Schuhe aus. Klopumpe an. Kajütenbezug. Der Abend bringt ein gemeinsames Essen beim Italiener in der Marina, wir laden für’s Warten ein. Und unser Gepäck!

Am nächsten Tag gibt es einen gemeinsamen Ausflug zu den örtlichen blow wholes. Und dazu einen ersten Geschmack auf die Dynamik der sich durch Kontaktanzeige im Seglermagazin Gefundenen. Ein Zeichen? Keine Rede mehr von Abreise. Die hatten die sie lange vor unserer Ankunft um zwei Tage verschoben. Ausklang mit Heike und Herwig. Gesprächen über Hooksiel und Häfen, Helgoland und Hochsee.

Früh um 05.00h am nächsten Morgen dann endlich: Leinen los. Segel setzen. Autopilot an. Keine Rufe nach fieren und dichtholen, hieven oder lichten. Keiner fummelt während der Fahrt am Segel, keine Delfine spielen ums Boot. Wir schippern auf Schienen. Keine Seefahrerromantik. Und die größte Enttäuschung steht uns noch bevor.

Es ist dunkel, als wir in Port de Marigot einlaufen. Die Lichter am Horizont versprechen gekühlte Getränke in lauer Sommernacht, einen kleinen Spaziergang unter Palmen, durch die eine leichte Brise weht. Wir werden nicht ankommen, nicht an diesem Abend. Für Kalle und Doris besteht keine Notwenigkeit an Land zu gehen. Sie haben alles, was sie brauchen. Einen kostenlosen Liegeplatz neben Thomas und Susanne. Hans und Helga sind da und Cindy und Bert auch. Und die Gespräche drehen sich um die beliebten und einzigen Themen: um das wie lange, wohin und was für ein Boot. Um Sylt und Stürme, Schotten und Schwenkkiel.

Die Frauen, die gerne Süße, Schatzi oder „Jetzt mach‘ mal das Vorsegel los“ heißen, mixen Cocktails (bzw. Bier holen) und dürfen Hand reichen. Kabinen säubern und Essen kochen.
Klar Schiff machen die Männer, denen die Kähne gehören.
Um uns herum alle Deutsche, alle mit Ziel Jahre unterwegs zu sein.
Alle habe sie ihre Geschäfte verkauft, ihre Hausstände aufgelöst. Einen Tag wird gesegelt, vier Wochen im Hafen gelegen. Die Damen gehen zusammen Shoppen, die Herren kaufen Zubehör und Ersatzteile. Jeden Abend geselliges Beisammensein. Getrunken wird ab fünf. Gesehen werden die Häfen. Die Marinas. Die Supermärkte in den Buchten. Noch mehr Segler, eigentlich nur Leute mit Boot. Wen interessieren schon Land und Leute?

Mich! Mir ist das alles zu eng. Die Kajüte. Der Radius. Das Reisen.
Mein Reisegefährte findet einen schönen Begriff: Dauercamper auf dem Wasser. Mit sehr teurem Equipment.

Zum guten Schluß werden wir für die Mitfahrgelegenheit von unseren neu gewonnenen „Freunden“ ausgenommen wie Weihnachtsgänse. Selten habe ich mich so auf den Bus gefreut.

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