einmalrundherum

Warum hält mich eigentlich nie jemand von meinen guten Ideen ab?
Lande auf der ITB. Es ist Samstag, Besuchertag. Mit meinem Fahrrad entsteige ich der S-Bahn. Die erste Etappe ziemlich unrühmlich zurückgelegt. Und stelle fest, dass ich zu den größten Dilettanten überhaupt gehöre. Die Messewütigen strömen gen ICC, mit Rollkoffern. Teilweise in Größen, ich wüsste sie nur mit Schweinehälften zu füllen. Mein Kleiderschrank würde nicht genügend zum Befüllen hergeben.
Mit dem festen Entschluß nicht wahllos zu stromern und nicht wahllos einzustecken, bewaffne ich mich mit dem Lageplan und muss sogleich feststellen, dass ich keinerlei Gefäß mitführe, noch nicht einmal für die kleinste Broschüre.
In Polen gibt es metallicblaue Schultertaschen, ich stelle mich an und ergattere.
Auf dem Weg nach Afrika, werde ich mehrfach wegen diesem glitzernden Ungetüm angesprochen. Wer will schon in den Osten. Hier scheint’s keiner.
Außer mir will auch keiner nach Äthiopien.
Die Dame am Schalter hoch erfreut. Ich auch. Wir verplaudern ein Weilchen und ich werde mit einer der beiden am Stand befindlichen Landkarten beschenkt. Hoch und heilig verspreche ich, zu Besuch zu kommen. An mir liegt’s nicht. Da kommt der Chef um die Ecke und übergibt mir feierlich noch ein halbes Pfund Kaffee. Noch schlendere ich gelassen. Und viel zu früh gönne ich mir eine Pause auf dem trostlosen Parkplatz. Mein Beutel fast leer, wenigstens meinen Vorsätzen bin ich treu geblieben.

Suche meines Gleichen. Irgendwie passe ich in keine der drei Gattungen von Völkerwanderern.
Die erste Kategorie nimmt mit, was nicht niet- und nagelfest ist. Taschen, Prospekte, Schlüsselanhänger, Kugelschreiber, Blumen werden aus Gestecken gerissen, Deko entwendet. Die kriegen die Fässer voll.
Die Zweite hangelt sich von Gewinnspiel zu Preisausschreiben und zurück.
Und die Dritte macht in Grüne Woche. Viel später in Ungarn eine ungeahnt lange Schlange. Ich weiß wohl, es wird etwas umsonst geben. Aber was? Kann mir auch keiner der Anstehender verraten. Duftet es nach Palatschinken?

In Kenia werde ich zum ersten Mal schwach. Von einer liebreizenden Werberin an die Hand genommen, drehe ich das Glücksrad. Als großer Preis winkt eine Safari. Gewinne nichts, aber Kenia meinen Kontakt. Ich verzeihe (mir und) ihr und den Vertretern des afrikanischen Landes, steht es doch auf meiner Top-5-Liste.

Auf dem Weg nach Asien durchquere ich die Arabische Halbinsel. Eine riesige Halle. Auf der ITB haben sich die Kontinente und Größenverhältnisse mächtig verschoben. In Jordanien werde ich mit einem Spa-Tütchen beschenkt. Glücklich die Herren vom Stand, endlich jemand, der schon mal da gewesen ist. Saudi Arabien suche ich vergebens. Nordkorea auch. Die bösen Kinder dürfen nicht mitspielen. Die wollen auch keinen Besuch. Geistesabwesend schätze ich Golf-Tees in einem Glas. Keine Ahnung, wo das war. Nehme an der Hauptziehung mit meiner Eintrittskarte teil. Warte und warte und verschenke meine Karte. Dass, was es zu gewinnen gibt, interessiert mich nicht. Auch nicht der Ort. Das soll was heißen, würde ich doch nahezu überall hin reisen.

Asien, da wollte ich hin. Und lande in der Karibik. Weiß nicht, wie das passieren konnte. Zwei Amerikanerinnen und ich wundern sich über die dröhnende Beschallung. Ich übersetze. Ein örtlicher Radiosender überträgt live. Themawechsel. Die Damen stehen für eine muckelig kleine Fluggesellschaft, die, irgendwie irgendwo in der Karibik, einmal die Woche 15 Passagiere durch die Luft wirbelt. Nett war’s. Stecke Prospekte ein. Muss weiter. Werfe meine Visitenkarte in eine Lostrommel. Wo? Kuba reicht mir einen Cocktail.

Da endlich: Bhutan. Ertaste Möglichkeiten, den geführten Tourismus umgehen zu können. Frage alle aus, ob ich nicht volunteer work leisten dürfe. Während man mir von entlegenen Gegenden ohne Englischunterricht erzählt, knappere ich von den vor mir platzierten scharfen Kräckern. Hände von links und rechts knabbern mit. Ich muss dringend ein Weinladen suchen oder nach Indien Tee trinken. In Südkorea reißt einer der Henkel. In der Halle mit dem diesjährigen Partner wird’s nochmal gefährlich. Die Malediven verschenken Stockschirme, um die sich und mit denen sich geprügelt wird. Schnell weiter. Da wollte ich sowieso nicht nochmal hin. Und dann werde ich vor einem Sonderstand der Riu-Gruppe aufgegriffen und zu einer Tasse Kaffee eingeladen. Ganz ohne Verkaufsgespräch.

Auf dem Weg zum Ausgang breche ich in Belgien zusammen. Verlassen der Stand. Kraftlos verweile ich und lutsche die verbliebenen Schokoladenpralinen. Setze mich mit dem Rad in die S-Bahn, die Tasche so schwer. Schlecht ist mir auch. Und noch Wochen später erhalte ich Kataloge und Emails all der Länder, an deren Preisauschreiben ich teilgenommen hatte.

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