Ja, ja so blau, blau, blau

… sind Honduras und Nicaragua.

Guatemala auch.

Ein schöner Morgen in Livingston. Schlendere über die Straßen, die nicht von Motorfahrzeugen genutzt werden können. Ein Schwein schlendert auch. Wir kommen uns nicht ins Gehege. Zum Glück, es ist ein großes. Die Sau ist nicht blau. Der Himmel schon, schon morgens um sieben. Die Sonne brutzelt. Wähle einen Eiskaffee und schaue den Straßenkehrern zu, die, in blauen T-Shirts mit Aufdruck ‚Stadtverwaltung‘, fegen.

Den ersten Briefkasten suche ich in Copán. Suche und suche. Finde und kriege einen Lachanfall: Himmelblau das Amt. Der Kasten kann sich nicht bemerkbar machen, himmelblau hängt er an die Wand genagelt, hinter himmelblauem Gitter. Es ist Feiertag, auch er hat frei.

Über holperige Straßen rumpeln wir. Ich schaue nur zu gerne aus dem Fenster, wenn die Gegend zum laufenden Bild wird. Auf vielen Wegen wunderschöne Landschaften. Nichts trübt die Sicht. Hügel, viel Grün. Hier und dort ein Vulkan. Einige qualmen. Ein Wasserfall. Flussbetten. Nicht alle trocken, der Sommer hat gerade erst begonnen. Da taucht am Horizont ein Wasserspeicher auf oder ist es ein Getreidesilo? In der Farbe Blau.

Ich glaube, ich könnte den Rest meines Lebens damit verbringen, in öffentlichen Verkehrsmitteln zu sitzen und zu schauen. Wenn nicht jeden, so doch jeden zweiten Tag.
Die Versorgung ist toll. Brote werden rumgetragen, gesalzene Nüsse, karamellisiertes Popcorn zu kleinen Bällen geformt, feilgeboten. Getränke von Pfandflaschen in Plastikbeutel mit Eis und Strohhalm umgefüllt. Ab Mittag gibt’s vollständige Gerichte. Immer Spezialitäten der Gegend. Geröstet ist die Schweineschwarte und so knackig, frisch der geriebene Weißkohl (immer Indikator für den Chloranteil im Trinkwasser der Region), Tomatensalat, Bohnen. Alles mit Bohnen.
Bis zum Umsteigen in La Entrada wird mit einem alten, amerikanischen Schulkind-Transporter gefahren. Umgestrichen – blau mit blau abgesetzt. Bis Gracias die Minibus-Luxus-Version, unten weiß, oben graublau. Neben mir steht ein türkisfarbenes T-Shirt, eine petrolfarbene Chiffonbluse, ein royalblaues Polohemd, das Bild macht eine blaukarierte Weste voll. Am Wegrand ein Herr mit Superman-Shirt. 1,40m x 1,20m. Der Herr. Das Hemd kann er nicht mehr knöpfen, blaugesteift.

Von Gracias nach Tegucigalpa fahren wir mit einem großen Reisebus, der ist zur Abwechslung mal nachtblau. Alle haben sich stadtfein gemacht. Alle haben einen Sitzplatz. Jeder Bus kommt mit Schaffner. Der kassiert, kümmert sich ums Gepäck und platziert. Mich neben einen älteren Herrn, auch er herausgeputzt. Sein Cowboyhut ist taubenblau.

Intuitiv habe ich den richtigen Nagellack gepackt. Meergrün mit hohem Blauanteil, metallic.
Aus Ponticherry ist der noch und klebt nicht halb so gut, wie das Leipziger Allerlei auf meiner Haut. Schweiß, Straßenstaub, Sonnencreme. Das wird abends noch mit Mückenmittel gewürzt.

In Granada wird Fahrrad gefahren. Die Felgen metallic-türkis. Fast ausnahmslos.
In der Kirche Virgen de Guadeloupe hat der Höschenmacher Jesus als Nackedei nicht leiden mögen und seinen Hüften einen Schal umgebunden. Aus blauem Samt.
Der Pfarrer versteckt sich im Beichtstuhl hinter mittelblauer Gardine.

Mitternacht am Busbahnhof im Nirgendwo. Kein Taxi in Sicht. Keine Aussicht auf Laufen. Der Weg zur Innenstadt zu weit, die Gegend wenig vertrauenserweckend. Nie, auch nicht tagsüber. Da kommt ein Fahrzeug um die Ecke: Pick-up mit Gitterkorb auf der Ladenfläche. Ach, denke ist, da ist ja schon einer drin. In der Fahrerkabine zwei Gestalten, Maschinengewehre im Anschlag. Auf dem Korb sitzend und auf alle vier Himmelsrichtungen verteilt, die Kollegen. Ebensolches Arbeitsgerät in Händen haltend. Stockdüster ist es nicht ganz und so kann ich erkennen, die Polizei trägt Uniformen mitternachtsblau, die Sturmmasken auch. Wie elegant.

Und dann sehe ich rot.
Nur noch.
Habe meine Beine ganz vorsichtig, um die Mückenstiche herum, rasiert, (rötliche Punkte mit Püscheln bleiben…) um mir dann ein Stück aus der Ferse zu schnitzen.
Bandagiert tapere zum Stadion. Beisbol ist Nationalsport. Play offs.
Granada rot – Rivas orangerot. Die Fans, die Fahnen – alles leuchtend rot.
Auf dem Schwarzmarkt habe ich eine Karte ergattern können und muss drinnen feststellen, die haben einfach mal doppelt so viele verkauft, wie sie Plätze haben.
Nach drei Stunden und kurz vor’m Hörsturz, humpele ich unter dem nachtblauen Himmel stadteinwärts und sehe mir das Spiel in einer sportsbar zu Ende an.

Die Bar ist blau, die Gäste auch.

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