Ein Kessel Buntes

Jerash, alte Steine.

Mein Herz geht auf.
Strahlend blauer Himmel – Götterwetter.
Bin bewaffnet mit kiloschwerem Dumont-Kultur-Reiseführer.
Leichter Wind, wenig Touristen.

Am Hadriansbogen lasse ich mich nieder.
Könnte vor lauter Schönheit heulen.
Tue ich aber nicht.
Eine amerikanische Göre brüllt Regieanweisungen für’s Fotoalbum.

Es scheint, als hätten Lonely Planet und New York Times Jordanien gemeinsam frei gegeben.
Um mich herum viel Kaugummi-Englisch.
Vornehmlich.
Fragen wie: „how old is this“, werden mit „oh, very old“ beantwortet.

Hippodrom mit vier Chinesen, machen Spassfotos.
Welche Enttäuschung, heute keine Gladiatorenkämpfe.
Auch keine Wagenrennen.

Einen schwarzen Sack mit Fendi-Schlappen und Gucci-Handtasche verorte ich nach Saudi Arabien.
Kratziger ist das Arabisch des voran schreitenden Ehemanns.
Nichts gesehen, aber den cardo gefegt.

Chipstűten bewehen die Wege.
Viel Wasser wurde aus Plastik konsumiert.
Ein jeder Raucher hat die Ecken markiert.

Zwei italienische Pärchen laufen wenig interessiert.
Das kann man besser.
Konnte man schon viel früher.
Die mitgebrachten Sheba-Wollknäuel werden in einer Statuennische für’s Familienalbum geschossen.

Ein Scherbenfriedhof erregt meine Aufmerksamkeit.
Liege im Gras und bewundere bemalte, ornamentierte.
Wie gerne würde ich dieses Puzzle wieder zusammen setzen.

Im Theater Spektakel.
Amerikanerin vor der Bühne hält Einleitung für Daheimgebliebenen.
Im Rang die Kamerafrau mit Mobile.
Bin hier in …. äh…,
Heute ist der 26.12.2015.
Es wird souffliert, korrigiert.
Dann wird gesungen.
So schief, wenn der Marmor nicht schon Risse hätte. Heute würde er welche kriegen.
Die Chinesen laufen herbei, endlich Unterhaltung.
Reisegruppenweise Amerikaner bewundern eine der ihren.
Zwei einheimische Unterhaltungskűnstler stimmen mit Dudelsack und Trommeln ein.
Auf den Rängen wird geschunkelt und geklatscht.
Oper war angekündigt.
Stört keinen, dass wir Amazing Grace hören.

Schlendere űber das Areal.
Alles nur für mich.
Und ein holländische Kleinfamilie.
Die mögen wohl auch keine Opern, die Niederländer.
Ein Verkaufstalent am Wegesrand heißt mich in Jordanien herzlich willkommen – Thank you.
Have a look – no thank you.
What about lunch – no thank you.
Maybe later – maybe, but no thank you.
Tea/coffee – no thank you.


Me?

Ganz am Ende tut sich das Archäologische Museum auf.
Hat man sich beim Bau am herumliegenden Material bedient?
Geschlossen.
Im Garten Mosaike, die in ihre Einzelteile zerfallen.
Viel Schönes was rumfliegt.
Gegőnnt hat man sich eine Gartenmauer aus Steinsarkophagen.
Wer hat, der hat.

Ammanwärts geht es viel zu früh.
Es sollen noch viele schöne Ausgrabungen folgen.
Auf nach Brigitte…. äh…,
Petra!

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