a mixed bag

Diese Philippinen.

Finde ich.

Zum Beispiel: Kaffee

06.45h – stolpere über ’ne Ratte ins Lokal und denke noch, Mensch, haben die zwei Rehpinscher. Ungewöhnlich. Neben dem Eingang im Vogelkäfig einer angebunden. Ein Rehpinscher. Oder sowas in der Art. Ungewöhnlich, weil Hunde frei rumlaufen, überall und weil ich bis jetzt nur quer-durch’s-Dorf-Mischungen gesehen hatte.
Das Restaurant eine Hütte. Vier Wände aus stockfleckigem Beton, wer braucht schon ’ne Tür.
Dach verrostetes Wellblech. Wenn es regnet, klingt das wie Erbsenpistole (für die jüngeren unter den Lesern: eine Spielzeugpistole, die mit Trockenerbsen geladen wird, von denen sich meine Schwester mal eine in die Nase gesteckt hatte, wir des Nächtens alle zum Doktor sind und ich am nächsten Tag schulfrei hatte – aber das ist eine andere Geschichte).
Plastikbestuhlung. Millionenfach gesehen, weiß oder mintfarben wie Baden-Baden.
Der Boden ist so dreckig. Klebe nicht fest. Der ist aus einem Guß mit den Wänden.
Man kann für die Reise Proviant einkaufen, alle dauern lange. Egal, wie weit.
Oder Frühstücken: pinoy breakfast ist fettiger Garlic Rice (zu mir hat er gerne bis abends gesprochen), Spiegelei und longaniza. Ein sehr leckeres, kleines Bratwürstchen. Würzig, süßlich, knusprig. Mit oder ohne Darm.
Und Kaffee trinken.
Bin in Bontoc, mitten in den Bergen. In der Gegend wird die braune Bohne angebaut und der mir eingeschenkte ist sehr, sehr lecker.
Setze mich, schlürfe, heiß ist er auch noch. Um mich herum ist Ruhe eingekehrt. Frauen gehen nicht in Lokale, nicht in ländlichen Gegenden und alleine gibt es nicht.
Der Bus-Conductor hat mein Gepäck verladen, die Mitreisenden machen sich bekannt. Why alone? Habe ich 1000x gehört.
Um sieben fährt der Bus, gegen halb acht geht’s los.
Kaffee Spitze / Atmosphäre toll / Tasse na ja (die Kruste, die Kruste)

Fähre Mindoro – Südluzon
Ach, was für eine schöne Insel. Auf der Occidentalseite wenig Touristen. Ein paar bei einem Franzosen auf der Privatinsel. Robinsons mit Rollkoffer und „girlfriend“ aus Manila. War ich auch (nicht girlfriend), was für ein Mist. Bin dann bei Gustav gelandet, der Hütten an einem schönen, schwarzen Strand vermietet. Prison farm besucht. Ja, so richtig mit 2000+ Gefangenen, die alles mögliche ausgefressen haben und nicht eingesperrt sind! Jedenfalls nicht minimum und medium inmates. Mit Boy auf dem Moped durch’s Gelände. Riesig ist das. Wir durchqueren ein Flußbett, erklimmen zwei Hängebrücken (aarrrg), an einem See vorbei, machen Geschäfte (es gibt einen Souvenirladen)… und bleiben mit einem Platten mitten im Gelände liegen – auch das ’ne andere Geschichte.
Im Sonnenschein werden wir von einer wunderschönen Küste und zwei rauchenden Vulkanen verabschiedet.
Und so eine RoRo-Fähre, die hat eine Servicetheke.
Von sechs Fertiggerichten sind fünf aus. Ähneln sich verblüffend, schmecken alle gleich – scheußlich.
Das ist nicht meine erste Fahrt. Das Plakat, was sie bewirbt, ein Traum. Da möchte man gleich gar nichts mehr haben.
Kaffee gibt’s. Tee – äh nee.
Styroporbecher mit drei Tüten: Nescafé, Creamer (auch von Nestlé), Zucker, ein Rührstäbchen – alles zusammen nochmal in Plastik verschweißt. Grauenhafte Brühe.
Hundertschaften von Schulmädchen nehmen Blickkontakt auf. Man macht es sich gemütlich. Entlaust sich gegenseitig. Schläft. Mitreisende fragen: you alone?
Fünf Stunden später und zwei Becher Kaffee weiter komme ich in Batangas an.
Kaffee Jauche / Atmosphäre klasse / Becher – der Müll, der Müll

Adriatico Street – Malate – Manila
Es gibt die Tage, da schaffe ich weder die Ratten noch das Styropor.
Also Manila für Touristen und Andere. Zwischen 7elevens, Rotlichtbetrieben, Luxushotels, Obdachlosen, Imbissbuden und wer weiß noch was, soll es Kaffeeläden geben.
Starbucks, da mag ich nicht hin. Stolpere über die Straße. Immer schön gucken, ist ohne Bürgersteig. Was Gediegenes ansteuern. Am Eingang (nein, kein angeleinter Rehpinscher im Vogelkäfig) eine Kiste, da kann man seine Stich- und Schusswaffen reinlegen. Ist freiwillig.
Im Lokal bin ich nach zwei Minuten schockgefrostet.
Na, kommt die Bedienung an den Tisch?
Nee. Aus dem Sessel raus, an die Theke ran, so lange ich mich noch bewegen kann. ‚Madam, wir kommen gleich an den Tisch‘. Gefühlte zehn/fünfzehn Minuten später steht der junge, sehr freundliche Mann vor mir und nimmt lächelnd meine Bestellung auf.
Der Geschmack ist mir mittlerweile egal, Hauptsache das Zeug kommt heiß und mit Decke.
Um mich herum ein seltsames Publikum. Die Kiste wird nicht ohne Grund da stehen. Dazu mopsiger Mittelstand. Alles wischt auf displays rum. Keiner außer dem Kellner fragt, ’somebody coming‘?
Warte und ergebe mich meinen Hitze-Phantasien (wie ich, scheint’s, Wochen zuvor auf einem ollen Klapprad über ‚Palao gezuckelt bin und es so warm war, dass ich mich gefreut habe, durch einen lauen Regen erlöst zu werden und sich die Straße dann vor mir in Rügener-Kreidebäder verwandelt hat, und das eine wilde Schlitterpartie wurde und ich auf einem dicken, toten Frosch ausgerutscht bin, den man hätte noch so lecker frittieren können… andere Geschichte).
Kaffee immer noch nicht da.
Schiebe an den Tresen, muß doch was falsch verstanden haben und selber holen.
‚No madam, wird an den Tisch gebracht‘. Dieses Madam gibt es immer und überall und nicht wie man meinen mag, nur für uns aus der Ferne. Richtig mögen mag ich’s nicht.
Und dann kommt der Kaffee und der Kellner strahlt und sagt: ‚especially made for you‘.
Kaffee lecker / Atmosphäre Käse (Kellner schon mitgerechnet) / Pappbecher geht

Fazit: Und egal was kommen mag, es wird den Tag geben, an welchem ich mich nach der Jauche sehe.

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